Tricks und ihre Grenzen in der Naturfotografie

Tiere in der Natur zu fotografieren ist ein spannendes Hobby, man beobachtet, wartet, hofft und dann hat man das gewünschte ‘Opfer’ endlich mal vor sich, vergeigt man den Fokus, ist zu langsam oder das Licht ist ungünstig, der Hintergrund zu unruhig und so weiter. Das Warten geht dann von vorne los. Nun, das ist ein Teil der Tierfotografie. Das ist auch der Teil, der das Ganze spannend macht. Ist das Foto das Ziel, geht man besser in der Zoo. Die Freude an einem gelungenen Bild in der Natur ist für mich allerdings ein vielfaches höher als ein gutes Bild aus dem Zoo. Die Geschichte hinter dem Entstehen eines Bildes ist für mich das Erlebnis, das durch eine gelungene Aufnahme gekrönt wird (oder manchmal eben auch nicht).

Heisst das nun, dass ich alles dem Zufall überlasse? Nein, natürlich bediene ich mich verschiedener Methoden um die Erfolgsaussichten zu erhöhen. Ganz am Anfang steht die Beobachtung; weiss ich einmal wo ein Vogel sich immer wieder hinsetzt um die Insekten oder Fische etc. zu jagen, sein Nest anzufliegen, oder sein Lied zu singen, kann ich mich positionieren und dann auf die nächste Gelegenheit warten. Gewisse Arten lassen sich auch durch Futter anlocken, oder das Abspielen der Stimme.

Diese Methoden haben alle etwas gemeinsam, sie können grenzwertig sein. Grenzwertig im Bezug auf Störungen. Die meisten Naturfotografen greifen auf irgend eine dieser Methoden zurück. Die meisten Naturfotografen nehmen dabei aber grösstmögliche Rücksicht auf die Tiere und versuchen Störungen oder Eingriffe so klein wie möglich zu gestalten. Leider gibt es auch einige ‘schwarze’ Schafe die es bewusst oder unbewusst übertreiben.

Ich versuche die Eingriffe klein zu halten, verzichte aber nicht vollständig auf die verschiedenen Methoden. Merke ich, dass ich störe, ziehe ich mich schnellstmöglich zurück. Es kann auch durchaus sein, dass einige meiner Vorgehensweisen umstritten sind, gerne lasse ich mich auch belehren.

Nun, auf welche ‘Tricks’ greife ich zurück?

Ansitz
Ansitz, aufgenommen im Februar 2014, Niederrohrdorfer Moos

Anfüttern
Ja, klar. Jeder hat sein Futterhäuschen im Garten. Das Anfüttern wird ja auch unter Fachleuten immer wieder diskutiert, die einen sagen es wäre nicht nötig, andere stellen sich auf den Standpunkt, dass man das ganze Jahr anfüttern soll. Ich persönlich benutze es um während der Wintersaison die Vogelwelt im Wald zu beobachten und zu fotografieren. Dazu richte ich mir eine Futterstelle im Wald ein, die mit dem handelsüblichen Futter versehen wird. Dabei achte ich, dass das Futter womöglich geschält und zerkleinert ist (Ausnahme Baumnüsse), damit es in der Umgebung nicht plötzlich standortfremde Pflanzen gibt. Mein Tarnzelt stelle ich möglicht permanent dahin, so gewöhnen sich die verschiedenen Vögel daran und ich bekomme bessere Fotogelegenheiten.
Raubvögel füttere ich nicht. Dazu kenne ich mich zuwenig aus (ist soviel ich weiss auch nicht gestattet) und ist sehr heikel, da Vögel sehr empfindlich auf Medikamentenrückstände im Fleich reagieren. Dazu kommt das der Konkurrenzdruck unter den Tieren ein Problem werden kann.

Positionieren vor bekannten Ansitzen
Klar, das macht jeder Naturfotograf. Hier achte ich natürlich darauf, dass ich nicht zu nahe bin. Of kann man in einiger Distanz beginnen und dann versuchen die Distanz mit der Zeit zu verringern. Man merkt dann relativ schnell, wenn der Vogel nervös wird oder ausbleibt. In der Nähe des Nestes ist diese Methode heikel und man muss sich hier sofort zurückziehen, wenn der Vogel Anzeichen zeigt die auf eine Störung hinweisen. as kann sehr unterschiedlich sein. Bei einem Nest im Velounterstand meines Nachbarn konnte ich ca. 4 Meter neben dem Nest sitzen und die Fütterung lief ohne Problem weiter, der Vogel war es sich gewohnt ständig Menschen in der Nähe zu haben. Im Wald dagegen sind diese Distanzen viel grösser, mit viel Geduld lässt sich hier viel rausholen… im Moment wo der Vogel in der Nähe mit dem entgültigen Anflug ans Nest zu warten beginnt, ist ein Rückzug gegeben.

Abspielen von Stimmen
Hier wird es heikel. Allerdings wird diese Methode auch von Ornithologen für den Nachweis von bestimmten Arten verwendet. Einige Arten reagieren extrem auf das Abspielen von solchen Tönen, andere überhaupt nicht. Wobei das nicht heisst, dass sie nicht auch gestresst werden. Hier halte ich es so: Ich spiele ab und zu Stimmen ab, in erster Linie um den Nachweis zu haben, dass sich Vertreter dieser Art in der Nähe befinden, andererseits um zu versuchen sie in die Nähe zu locken. Allerdings beschränke ich mich auf drei bis viermaliges Abspielen, dann stelle ich es ein und versuche es eventuell an einem anderen Tag nochmals. Ganz geübte Beobachter imitieren die Töne selbst 😉

Präparieren
Unter Präparieren verstehe ich das einfangen und positionieren von Tieren in eine Umgebung in der das Tier fotografisch besser zur Geltung kommt, wie zum Beispiel eine Raupe auf ein grossen Blatt zu platzieren etc. Natürlich funktioniert das nur bei wenigen Arten… Ja, das mache ich, allerdings eher selten. Wobei ich hier eher versuche das Tier selbst auf den Ast, Blatt etc. steigen zu lassen, indem ich das gewünschte Teil in den natürlichen Weg des Tiers halte.
Ähnliches gilt natürlich für Pilze und Blumen, bei denen ich störende Elemente, wie Ästchen, Blätter, etc. auf dem Weg räume. Oft genügt ein temporäres ‘weg biegen’ der umliegenden Vegetation, zum Beispiel mittels eines Astes.

Gerne höre ich auch Ihre Meinung dazu, Sie können dazu das Kommentarfeld unten verwenden.

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